Die Hintergründe der Notwendigkeit einer neuen Preisbildungstheorie
Ende der 1970er Jahre wurde das "Bretton-Woods-System", das unter anderem auf
dem klassischen Gold-Standard basierte, von der U. S. Regierung aufgegeben. Die
daraus resultierende Flexibilisierung der Währungswechselkurse und Popularität der
Währungsspekulation trugen wesentlich zur Schaffung einer globalisierten Wirtschaft
und einer weltweiten "Arena der Finanzmärkte" bei. Die Globalisierung basiert auf
freien Märkten, welche die "Schlachtfelder der Allokation" unterschiedlichster
Ressourcen darstellen. Vor diesem Hintergrund begannen Ökonomen und Financiers
mit der Suche nach ultimativen Mechanismen von Preisbildungsmodellen.
Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften wurde im Jahre 1997 an Robert C.
Merton und Myron S. Scholes (gemeinsam mit Fischer Black) für ihr
"Options-Pricing-Model" (Optionen-Preismodell) verliehen. Dieses Beispiel zeigt die
generelle Bedeutung von Preisbildungsmodellen, obwohl dieses Modell "nur" für die
Bestimmung des Zeitwertes von Derivaten und nicht für die Wertermittlung der
zugrundeliegenden Basiswerte entwickelt wurde. Weitere Schwachpunkte dieses
mathematischen Modells ergeben sich aus der Verwendung von statischen
Parametern, die unter der Prämisse des Random Walk keine vernünftigen
Kursprognosen zulassen. Nüchtern betrachtet vermag dieses Modell nur den fairen
Wert von Derivaten zu einem bestimmten Zeitpunkt zu finden. Der Zusammenbruch
von LTCM beweist, dass dieses Modell nicht in kinetischen Märkten anwendbar ist.
Die Anwendung von künstlicher Intelligenz
Vor dem Hintergrund der großen Popularität der Computertechnologie seit dem Ende
des 20. Jahrhunderts veranstaltet die Wall Street Finanz-Community seit 1991
zweimal jährlich Kongresse, die sich mit der Anwendung von künstlicher Intelligenz
(Artificial Intelligence) in Finanzmärkten beschäftigen. Auf diesen Konferenzen wurde
zwar viel über die Nutzung von Neuralen Netzwerken, Genetischen Algorithmen,
Fuzzy Logic und Chaostheorie diskutiert, aber bis jetzt wurden keine signifikanten
Ergebnisse erzielt.
Die Schwächen der Fundamental- und Technischen Analyse
Wenn sich Ökonomen bei der Analyse von Märkten wirtschaftlicher Zahlen bedienen,
ergeben sich zahlreiche Probleme. Entweder sind die zur Verfügung stehenden
Daten nicht ausreichend oder die Zahlen sind mehrdeutig bzw. irreführend. Darüber
hinaus ändern sich die Märkte laufend und das Geld wechselt die Hände sehr schnell.
Vor diesem Hintergrund erscheint es zwar nicht unmöglich, jedoch sehr schwierig,
eine sinnvolle und zuverlässige Kursprognose durchzuführen.
Auf der anderen Seite wird die Technische Analyse heutzutage von Candlestick-, Bar-
und Liniencharts in Kombination mit unterschiedlichsten Indikatoren, die durch rein
statistische bzw. mathematische Berechnungen hergeleitet werden, dominiert.
Darüber hinaus ergibt sich durch die Theorie des Random Walk eine eingeschränkte
Zuverlässigkeit bzw. Genauigkeit der Technischen Analyse.
Zusammenfassend kann daher festgehalten werden, dass es seit Jahrzehnten keine
wirklich befriedigende Methode (weder fundamental noch technisch) der
Kursprognose in der Finanzbranche gibt.
Die Philosophie von J-Chart
Als ich eines Tages an einem Strand auf Hawaii den Sonnenuntergang beobachtete,
realisierte ich plötzlich, dass das traditionelle Konzept, fixe Zeitintervalle bei der
Marktanalyse zu benutzen, den größten "Denkfehler" darstellt. "Zeit" ist ein
unwiderruflicher Vektor, der keine Bedeutung ohne Ereignisse besitzt. Es gibt kein
Abbild (Symmetriepunkt) bzw. Zyklus, wenn nichts Signifikantes passiert. Das
Hauptproblem liegt darin, dass Investoren eine Stunde, einen Tag, eine Woche oder
sogar einen Monat verwenden, um die Marktbewegungen zu visualisieren und zu
beobachten. So würden wir uns z. B. nicht an den 11. September (911) erinnern,
wären nicht diese schrecklichen Terrorangriffe passiert. Es wäre nur ein Tag wie
jeder andere im Kalender. Vor diesem Hintergrund ergeben sich die folgenden
Schlussfolgerungen:
- Nur das "Ereignis" hat ein Abbild (Symmetriepunkt).
- Das Ereignis passiert zum Zwecke des Gleichgewichts.
- Das Resultat von Gleichgewicht ist Chaos. Zwischen diesen beiden Zuständen existiert ein endloser Zyklus.
- Der Preis bzw. Kurs ist das Ereignis.
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